Hartmut Lange las in der Stadtkirche

Es war ein außergewöhnlicher Abend, als sich am 12. Juni der Kirchraum der Stadtkirche auf Initiative von Herrn Rabanus, dem Inhaber der Altstadt-Buchandlung, in einen Kulturraum mit über 220 Besuchern verwandelte: Zu Gast war der Autor Hartmut Lange aus Berlin.

Hartmut Lange, dessen ursprüngliches Wirkungsfeld das Drama ist, ist Autor zahlreicher Erzählungen und Novellen. In fast allen Werken geht es um die Begegnung des Subjekts mit der Wirklichkeit und um die Frage „Wie wirklich ist die Wirklichkeit“. Die Werke zeigen die grundsätzliche, existentielle Gefährdung des Menschen auf und fragen nach den Möglichkeiten, mit der Verzweiflung umzugehen. Dabei reißt das Spiel mit Phantasie und Realität die Grenze des Todes nieder, lässt die Toten weiterleben und sie die Probleme lösen, die im Leben nicht gelöst werden konnten.

Zu Beginn las Hartmut Lange aus der Novelle „Haus in der Dorotheenstraße“ (2013), welche in NRW zu den verbindlichen Werken des Zentralabiturs im Fach Deutsch gehört. Es folgten Texte aus dem neuesten Werk „An der Prorer Wiek und anderswo“ (2018). Im Anschluss an die Lesung gab es die Möglichkeit, Fragen zu stellen und mit dem Autor ins Gespräch zu kommen. Diese Möglichkeit wurde vor allen Dingen von Schülerinnen und Schülern, die zahlreich im Publikum vertreten und sogar aus Oberhausen angereist waren, begeistert genutzt: Sie hatten sich zuvor im Unterricht intensiv mit den Texten Langes beschäftigt und konnten vor allen Dingen Fragen rund um den Schaffensprozess und die „intentio auctoris“, die im Unterricht nicht geklärt werden können, loswerden. Die Lust des Autors, umfassend und mitunter kauzig-eigenwillig zu antworten, war groß.

Es wäre schön, wenn diesem Abend ähnliche Veranstaltungen folgen würden. Die Stadtkirche bietet dazu einen wunderbaren Raum.


Kerstin Hauke